Prozessrechtstagung

Call for Papers

 

Call for Papers: Digitalisierung der gerichtlichen Verfahren und das Prozessrecht

3. Tagung junger Prozessrechtswissenschaftler* am 29./30. September 2017 in Leipzig

„Industrie 4.0 – Justiz 1.5?“ (Gaier, Editorial NJW 15/2015) – Diese und ähnlich provokante Fragen muss sich die Justiz gefallen lassen, wenn es um die von ihr selbst oder vom Gesetzgeber angestoßene Anpassung der gerichtlichen Verfahren und des Prozessrechts an die Digitalisierung aller Bereiche gesellschaftlichen Lebens geht. Daraus ergeben sich immer neue, teils spezielle, teils grundlegende rechtliche Probleme. Die dritte Tagung junger Prozessrechtswissenschaftler möchte diese Fragen zu ihrem Thema machen und nach Antworten suchen, die das Rechtsverständnis im Zivil- und Strafprozessrecht sowie den Verfahrensordnungen des öffentlichen Rechts verbessern.

So sehen sich alle Teilrechtsgebiete etwa durch die gesetzgeberischen Bemühungen zur Förderung des elektronischen Rechtsverkehrs mit der Herausforderung konfrontiert, die elektronische Kommunikation mit den Verfahrensbeteiligten rechtssicher zu ermöglichen und die elektronische Aktenführung so auszugestalten, dass sie zugleich praktisch handhabbar ist und die auch verfassungsrechtlich fundierten Rechte der Beteiligten nicht schmälert. Daraus erwächst eine Vielzahl rechtlicher Problemstellungen, die wissenschaftlicher Begleitung bedürfen.

Auswirkungen hat die Digitalisierung gerichtlicher Verfahren aber auch dort, wo digitale Beweismittel nicht mehr an Orte, geschweige denn an Staatsgrenzen gebunden sind. Zudem verändert sich der Umgang mit den Gerichtsakten, was Fragen nach dem Zugang der Beteiligten zu ihnen, zur Akteneinsicht, zur Sicherheit der Aktenhaltung und zu den Folgen fehlerhafter Aktenführung aufwirft. Wissenschaftlich aufschlussreiche Rechtsprobleme der Digitalisierung stellen sich schließlich auch im Rechtsmittelrecht aller Teilrechtsgebiete.

Insbesondere im Zivilprozessrecht, aber auch in den dem Öffentlichen Recht zugeordneten Prozessrechtsordnungen sind zudem Fragen nach den Auswirkungen der Digitalisierung nicht nur im Erkenntnisverfahren, sondern in späteren Verfahrensstadien, wie der Zwangsvollstreckung, zu beantworten; die Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit stellen ihrerseits besondere Anforderungen an digitale Register- und Verfahrensführung.

Das Strafprozessrecht sieht sich demgegenüber besonders vor Rechtsprobleme digitaler Beweismittel und die Verknüpfung digitaler Aktenführung bei Ermittlungsbehörden und Gerichten gestellt. Diese und viele weitere Fragen sind mit der Digitalisierung der gerichtlichen Verfahren und ihrer Auswirkung auf das Prozessrecht verbunden. Wir freuen uns deshalb sowohl auf bereichsübergreifende, als auch bereichsspezifische Beiträge zum Zivil‐ und Strafprozessrecht, sowie dem Verfahrensrecht des Öffentlichen Rechts.

Ziel der Tagung ist es, wie in den beiden Vorjahren junge Prozessrechtswissenschaftler aus allen Teilbereichen zusammenzuführen. Für das Tagungsprogramm ist vorgesehen, dass Vorträge zu übergreifenden Themen vor dem Plenum aller Teilnehmer, solche zu spezifischen Themen in parallelen Panels gehalten werden. Nach jedem Panelvortrag wird es Gelegenheit geben, zwischen den Panels zu wechseln.

Die Tagung richtet sich an Doktoranden, Habilitanden, Juniorprofessoren und Privatdozenten.

Kollegen, die bereit sind, ein bis zu zwanzigminütiges Referat in deutscher Sprache zu übernehmen, bitten wir, ein Exposé von maximal zwei Seiten Länge und einen Lebenslauf bis zum 15. April 2017 per E‐Mail an jungeprozessrechtler@uni‐leipzig.de zu übersenden. Wie in den Vorjahren ist geplant, die Vorträge in einem Tagungsband zu veröffentlichen.

Gesonderte Einladungen mit dem Tagungsprogramm und den Anmeldeformularen werden im Mai 2017 versandt. Aktuelle Informationen zur Tagung sind unter
http://www.jura.uni-leipzig.de/prozessrechtstagung zu finden.

Wir freuen uns auf spannende Beiträge!

Leipzig, im Januar 2017

Almuth Buschmann – Anne-Christin Gläß – Hans-Henning Gonska – Markus Philipp – Ines Schreiber-Klein – Ralph Zimmermann

 

*Alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten sollen mit dem generischen Maskulinum jeweils miterfasst sein.

 

 

 

letzte Änderung: 09.02.2017